Gebaut aus lebendigen Steinen
Kirchengemeinde Olpe feiert 175-jähriges Bestehen

175 Jahre alt und doch ein Nesthäkchen: Die Evangelische Kirchengemeinde Olpe hat am Sonntag ihr 175-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst gefeiert. Sie ist eine der jüngsten Gemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Siegen. Zwar habe es schon länger eine kleine evangelische Gemeinde im traditionell katholischen Olper Sauerland gegeben, sagte Pfarrer Martin Eckey im Festgottesdienst. Aber am 27. Oktober 1844 wurde mit Johann Georg Manskopf erstmals ein evangelischer Pfarrer in Olpe eingeführt – übrigens ein Siegerländer.

Die Einführung fand damals im angemieteten Tanzsaal eines Wirtshauses statt, ihre Gottesdienste feierte die Gemeinde, die nur rund 170 Mitglieder zählte, im Betsaal des Pfarrhauses. Erst 1897/98 wurde die Evangelische Kirche in Olpe gebaut. Die Gemeinde bestand damals überwiegend aus Beamten und Bediensteten des preußischen Staats, die meist nicht dauerhaft in Olpe blieben. „Es war für diese Menschen wichtig, ein eigenes Gotteshaus zu haben, um sich ihrer Identität zu versichern“, sagte der Siegener Superintendent Peter-Thomas Stuberg in seiner Predigt. Heute jedoch erlebten Kirchengemeinden allerorten: „Nur weil ein Kirchturm Richtung Himmel zeigt, heißt das noch lange nicht, dass Menschen kommen, wenn seine Glocken rufen.“ Manche Christen seien heute deprimiert, dass in liebevoll vorbereiteten Gottesdiensten Stühle leer blieben, sagte der leitende Theologe des Kirchenkreises in seiner Predigt über eine Passage aus dem ersten Petrusbrief und betonte: „Die einzige Bestandsgarantie, warum wir Kirche sind und bleiben, ist die: Zu ihm, zu Gott, kommen wir.“ Gottes „Baumaterial“ seien lebendige Menschen. „Sein Gebäude besteht aus uns.“ Die wichtigste Aufgabe der Kirche sei, immer wieder zu Gott zu kommen und andere Menschen dazu einzuladen.

Stuberg würdigte das gute ökumenische Miteinander in Olpe. In der Anfangszeit der Evangelischen Kirchengemeinde hätten sich Katholiken und Protestanten noch nicht Geschwister genannt. „Wie beglückend, dass ihr lieben Schwestern und Brüder im Glauben heute das Jubiläum selbstverständlich mitfeiert“, sagte der Superintendent in Richtung der katholischen Gäste. „Die Herausforderungen, denen wir Christen heute begegneten, erfahren wir gemeinsam.“ Dabei entdeckten Katholiken und Protestanten, dass sie sich gegenseitig ergänzten und bereicherten.

Bild: "Tolles Miteinander": Der katholische Pfarrer Clemens Steiling (rechts) gratuliert seinem evangelischen Kollegen Martin Eckey.

Auch der katholische Pfarrer Clemens Steiling, Leiter des Pastoralverbunds Olpe, warb in seinem Grußwort dafür, Gemeinsamkeiten statt Unterschiede starkzumachen. „Auf das Wort Gottes sind wir alle gebaut und sonst haben wir kein Fundament.“ Steiling lobte das „tolle ökumenische Miteinander“ in Olpe. Dazu gehörten gemeinsame Vespern zu Ostern und Weihnachten sowie Höhepunkte wie der ökumenische Reformationsgottesdienst 2017 auf einem Boot auf dem Biggesee. Zum Jubiläum schenkte Steiling der Olper Gemeinde eine kommentierte Ausgabe der neuen katholischen Einheitsbibelübersetzung. Die könne zum Beispiel in ökumenischen Gottesdiensten Verwendung finden, sagte der katholische Geistliche. Glückwünsche überbrachten auch der stellvertretende Olper Landrat Dietmar Meeser sowie die Bürgermeister Peter Weber aus Olpe und Bernd Clemens aus Wenden.

Neben ihrem 175-jährigen Bestehen beging die Kirchengemeinde Olpe am Sonntag ein weiteres Jubiläum: Die evangelischen Posaunenchöre Olpe und Radeberg feierten ihre 30-jährige Partnerschaft und begleiteten den Gottesdienst klanggewaltig. In ihrem Grußwort berichtete die ehemalige Radeberger Pfarrerin Christine Klaer, heute im Ruhestand, von eigenen Vorbehalten zu Beginn der Partnerschaft. Sie habe in vorherigen Begegnungen mit anderen westdeutschen Gemeinden erlebt, dass ostdeutsche Partner von oben herab behandelt wurden. „Und dann kamen die Olper, und alles wurde ganz anders“, sagte Klaer. Feste, verlässliche Freundschaften seien über die Jahre entstanden. „Ist das nicht den Willen Gottes tun?“

Bild: Die Evangelischen Posaunenchöre Olpe und Radeberg begleiteten den Gottesdienst klangvoll.

Zur Kirchengemeinde Olpe gehören heute rund 8.000 evangelische Christen in Olpe, Drolshagen und Wenden. Pfarrer Martin Eckey ist für Wenden zuständig, Pfarrer Wolfgang Schaefer versorgt Olpe und Pfarrer Wolfgang Weiß Drolshagen und Olpe-Nord.

 

Bild oben: Aktuelle und ehemalige Olper Pfarrer mit dem Superintendenten in der Olper Kirche. V.l.n.r.: Reihe unten: Christian Holtz, Clemens Steiling (Pastoralverband), Wolfgang Schaefer, Anja Martin, Hans-Martin Trinnes, Bernd Woydack; oben: Martin Eckey, Superintendent Peter-Thomas Stuberg, Wolfgang Weiß, Martin Kornfeld.

 

Text und Fotos: Jasmin Maxwell-Klein / Ev. Kirchenkreis Siegen