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Kurze Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe

Die Stadt Olpe und das Südsauerland waren seit alters her katholisch geprägt. Evangelische Einwohner gab es bis zum Beginn des 19. Jahrhun¬derts nur wenige. Sie lebten verstreut unter der katholischen Bevölkerung (sog. Diasporasituation). Erst nachdem Preußen 1816 von der hiesigen Gegend Besitz ergriffen hatte, kamen mit Beamten und etlichen Gewerbetreibenden die ersten Protestanten in das Gebiet der heutigen Olper evangelischen Kirchengemeinde. 1830 hatte die Stadt Olpe 1.686 Einwohner, lediglich 50 waren evangelischen Bekenntnisses, 1843 waren es in Olpe 74, zusammen mit Drolshagen und Wenden insgesamt 177 Personen, die evangelisch waren. Dank der nicht nachlassenden Bemühungen einer Reihe von Olper Evangelischer — zu nennen sind hier der Buchdrucker Theodor Mietens, der Gerichtsrat Heinrich Lyncker und der Hüttenbesitzer Heinrich Kreutz — und der nachhaltigen Unterstützung durch den Siegener Superintendenten Bender konnten sich die hiesigen Evangelischen im Juni 1842 als Gemeinde konstituieren und am 27. Okto-ber 1844 ihren ersten Pfarrer, Johann Georg Manskopf aus Siegen, in sein Amt einführen. Den Tag der Einführung des ersten Pfarrers betrachtet die Gemeinde seither als ihr Gründungsdatum. Erster gottesdienstlicher Versammlungsort war ein angemieteter Tanzsaal (heute Frankfurter Straße 9).

Im Gegensatz zu den Gemeinden des Siegerlandes gibt es in der Gemeinde Olpe keine frömmigkeitstypischen Ausprägungen. Das hat vor allem darin seinen Grund, dass die Olper Evangelischen aus dem gesamten protestantischen Deutschland stammten und ihre Aufenthaltsdauer in Olpe zumeist nur kurz war. Diese hohe Fluktuation, die ausgesprochene Diasporasituation und das Fehlen einer spezifischen gewachseneren Identität sind bis heute Merkmale der Gemeinde und prägen die Arbeit in ihr.

Zwei große Probleme begleiteten die Gemeinde seit ihrer Gründung. Zum einen war das Verhältnis zu der katholischen Umgebung anfangs äußerst gespannt, und es kam zu allerlei Unerträglichkeiten. Die katholischen Christen konnten sich mit der Existenz einer evangelischen Kirchengemeinde nicht abfinden. Erst nach dem 1. Weltkrieg wandelte sich das ursprüngliche Gegeneinander der Konfessionen zu einem Nebeneinander; nach dem 2. Weltkrieg wurde es zu einem vorsichtigen Miteinander. Zum anderen hatte die Kirchengemeinde bis weit in das 20. Jahrhundert hinein mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Ihr eigenes Kirchensteueraufkommen war sehr gering. So war sie zur Finanzierung des Pfarrergehaltes wie beim Kauf von Grundstücken auf überörtliche Hilfe angewiesen.

1848 konnte die Gemeinde über einen Mittelsmann ein Haus erwerben, in dem die Pfarrerwohnung und der Betsaal untergebracht wurden. Es stand dort, wo sich heute der Parkplatz vor der Kirche be¬findet. Im Jahre 1898 konnte die Kirche aus rotem Ziegelmauerwerk eingeweiht werden. Der seinerzeit am¬tierende Pfarrer Otten (1893 - 1912) war ein ruhiger Spendensammler und genialer Organisator und hatte den Kirchbau verwirklichen können.

Die politische Bewusstseinlage einer Zeit spiegelt sich auch im evangelischen kirchlichen Raum wider. Bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg war für die Evangelischen auch in Olpe der Dienst für Gott und der Dienst für den (preußischen) König bzw. das Vaterland weitgehend das gleiche. In der Zeit des Nationalsozialismus sind der Gemeinde Auseinandersetzungen und Parteiungen erspart ge¬blieben, nicht zuletzt auch dank des vorsichtigen Verhaltens von Pfarrer Koch (1912-1946). Er und das Presbyterium schlossen sich der „Bekennenden Kirche“ an, vermieden zugleich jegliche Konfrontation mit der NSDAP.

Die Jahre nach 1945 brachten erhebliche Strukturveränderun¬gen mit sich. Durch den Zuzug evangeli¬scher Flüchtlinge wuchs die Gemeinde beträchtlich: von 1.022 Evangelischen im Jahr 1935 auf 2.357 im Jahre 1946. Infolge anhaltender Zuwande¬rung ergab sich die Notwendigkeit, in Drolshagen (1951) und in Rothemühle (1959) eigene Kapellen zu erbauen.
Seit 1957 gibt es in der Gemeinde den Oberlin-Kindergarten, benannt nach dem Pädagogen  Johann Friedrich Oberlin.

Gegenwärtig zählt die Kirchengemeinde ca. 8.506 Mitglieder, davon im Pfarrbezirk Olpe 3.252, im Pfarrbezirk Drolshagen 2.055 und im Pfarrbezirk Wenden 3.194.
(Nach einem Text von Dr. H.-B. Thieme)